Hausratversicherung: Versicherungssumme richtig berechnen und Unterversicherung vermeiden

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Die Versicherungssumme ist die zentrale Stellschraube Deiner Hausratversicherung. Zu hoch – und Du zahlst unnötig viel Beitrag. Zu niedrig – und Du bleibst im Schadenfall auf einem Teil der Kosten sitzen. Wir erklären, wie Du die richtige Summe ermittelst und warum der Unterversicherungsverzicht so wichtig ist.

Was bedeutet „Versicherungssumme" bei der Hausrat?

Die Versicherungssumme ist der Höchstbetrag, den Deine Hausratversicherung im Schadenfall zahlt. Sie soll dem Gesamtwert Deines Hausrats entsprechen – also dem Betrag, den Du bräuchtest, um alles auf einen Schlag neu zu kaufen. Entscheidend ist dabei der Neuwert, nicht der Zeitwert: Auch ein fünf Jahre alter Fernseher wird zum aktuellen Neupreis eines vergleichbaren Geräts ersetzt.

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Die meisten Menschen unterschätzen den Wert ihres Hausrats erheblich. Man denkt an ein paar Möbel und den Fernseher – vergisst aber Kleidung, Schuhe, Bücher, Geschirr, Bettwäsche, Sportausrüstung, Werkzeug, Kinderspielzeug und die ganzen Kleinigkeiten, die sich über die Jahre angesammelt haben.

Zwei Wege zur richtigen Versicherungssumme

Weg 1: Die Quadratmeter-Pauschale

1.

Wohnfläche ermitteln

2.

mit ca. 650 € pro m² rechnen

3.

Ergebnis = Versicherungssumme

Die einfachste und am häufigsten genutzte Methode: Wohnfläche in Quadratmetern multipliziert mit einem Pauschalbetrag – üblicherweise 650 Euro pro Quadratmeter. Eine 80-m²-Wohnung wäre damit mit 52.000 Euro versichert, ein 120-m²-Haus mit 78.000 Euro.

Der große Vorteil dieser Methode: Die meisten Versicherer bieten bei der Pauschale automatisch einen Unterversicherungsverzicht an. Das bedeutet, dass im Schadenfall nicht geprüft wird, ob die Summe exakt stimmt – es wird bis zur vereinbarten Summe voll gezahlt, ohne anteilige Kürzung.
Der Nachteil: Wer besonders wertvollen Hausrat besitzt (hochwertige Elektronik, Designermöbel, umfangreiche Sammlungen, teuren Schmuck), kann mit der Pauschale trotzdem unterversichert sein. Andersherum zahlen Bewohner einer großen, aber eher bescheiden eingerichteten Wohnung möglicherweise zu viel.

Weg 2: Individuelle Wertermittlung

Die genauere, aber aufwändigere Methode: Du gehst Raum für Raum durch und schätzt den Neuwert aller Gegenstände.
Das Ergebnis ist die tatsächlich benötigte Versicherungssumme. Allerdings musst Du diese Summe regelmäßig aktualisieren, wenn sich Dein Hausrat verändert.

Typische Werte, die unterschätzt werden
  • Kleidung und Schuhe: 5.000–15.000 € pro Person
  • Küche (Geräte, Geschirr, Vorräte): 3.000–10.000 €
  • Elektronik (Laptop, Smartphone, TV, Tablet, Konsolen): 3.000–8.000 €
  • Möbel (Sofa, Bett, Schränke, Tische): 5.000–20.000 €
  • Fahrräder und E-Bikes: 500–5.000 € pro Rad
  • Sportausrüstung, Werkzeug, Hobby: 1.000–5.000 €
  • Bücher, Medien, Dekoration: 1.000–3.000 €

Unterversicherung: Das unterschätzte Risiko

Ist die Versicherungssumme zu niedrig, greift die sogenannte Unterversicherungsregel. Die Versicherung zahlt dann nicht den vollen Schaden, sondern kürzt anteilig nach einer einfachen Formel:
Entschädigung = Schadenbetrag × (Versicherungssumme ÷ tatsächlicher Wert des Hausrats)

Ein Beispiel: Dein Hausrat ist 80.000 Euro wert, aber Du hast nur 40.000 Euro versichert. Bei einem Schaden von 10.000 Euro bekommst Du nicht 10.000 Euro, sondern nur 5.000 Euro – weil Du zur Hälfte unterversichert bist. Die andere Hälfte trägst Du selbst. Das gilt selbst dann, wenn der Schaden deutlich unter der Versicherungssumme liegt.

Mit einem Unterversicherungsverzicht verzichtet der Versicherer auf diese Berechnung. Du bekommst den vollen Schaden bis zur vereinbarten Summe ersetzt – ohne Kürzung. Voraussetzung ist in der Regel die korrekte Angabe der Wohnfläche.

Manche Tarife gehen noch einen Schritt weiter: Bei der Schleswiger gibt es in den Tarifen Top und Top Plus einen zusätzlichen Unterversicherungsverzicht für Kleinschäden (bis 1 % der Versicherungssumme) sowie einen Unterversicherungsverzicht bei Umzug in eine größere Wohnung – damit bist Du auch in der Übergangszeit geschützt, bevor die Summe angepasst wird.

Unterversicherungsverzicht – warum er so wichtig ist
  • Mit Unterversicherungsverzicht: Volle Entschädigung bis zur vereinbarten Summe, ohne Prüfung des Gesamtwerts
  • Ohne Unterversicherungsverzicht: Anteilige Kürzung, wenn die Summe zu niedrig ist
  • Voraussetzung: Korrekte Angabe der Wohnfläche oder sachgerechte Wertermittlung
  • Sonderregelungen möglich: Unterversicherungsverzicht bei Kleinschäden, bei Umzug in größere Wohnung

Versicherungssumme regelmäßig anpassen

Dein Hausrat verändert sich: neue Möbel, ein teures E-Bike, ein Homeoffice mit professioneller Ausstattung, ein Balkonkraftwerk auf der Terrasse. Prüfe Deine Versicherungssumme alle zwei bis drei Jahre – oder nach größeren Anschaffungen. So vermeidest Du eine schleichende Unterversicherung.

Auch ein Umzug in eine größere Wohnung ist ein typischer Anlass: Mehr Quadratmeter bedeuten in der Regel mehr Hausrat – und eine höhere nötige Versicherungssumme. Melde den Umzug unverzüglich Deinem Versicherer, damit der Schutz auf die neue Wohnung übergeht. Während des Umzugs besteht in beiden Wohnungen Versicherungsschutz – allerdings nur für eine Übergangszeit von mindestens zwei Monaten. Die Tarife Top und Top Plus bei Schleswiger greifen bis zu drei und vier Monate.

Wann Du Deine Versicherungssumme prüfen solltest
  • Nach dem Kauf teurer Gegenstände (E-Bike, Elektronik, Möbel)
  • Bei Umzug in eine größere Wohnung
  • Nach einer Erbschaft oder größeren Geschenken
  • Wenn sich die Haushaltsgröße ändert (Partner zieht ein, Kind wird geboren)
  • Alle 2–3 Jahre als Routine-Check

Fazit: Lieber einmal richtig rechnen als im Schadenfall draufzahlen

Die richtige Versicherungssumme ist keine Nebensache – sie entscheidet darüber, ob Du im Ernstfall voll entschädigt wirst oder auf einem Teil der Kosten sitzen bleibst. Die Quadratmeter-Pauschale mit Unterversicherungsverzicht ist für die meisten Haushalte die einfachste und sicherste Lösung. Wer besonders wertvolle Gegenstände besitzt, sollte individuell rechnen.